Akademie für generationsübergreifendes Sehen
Das ITI lädt Künstler zu einer internationalen Akademie ein, um sich den Besonderheiten des Arbeitens für und mit Kindern zu nähern. Die Regisseure, Autoren und Choreographen arbeiteten bisher vorwiegend für ein „erwachsenes“ Publikum und erkunden nun die verschiedenen Aspekte des Schreibens und Inszenierens für Kinder. Vor dem Hintergrund des eigenen künstlerischen Schaffens und mit Blick auf ein junges Publikum, bieten die Laboratorien Raum für die praktische Auseinandersetzung um Fragen zu Stoff, Ästhetik und Wahrnehmung. Dabei steht die Frage, ob oder wie stark Erzählweisen generationsabhängig sind, im Mittelpunkt. In den Laboratorien geht es nicht um das Schreiben oder Inszenieren eines Stückes, sondern um Versuchsanordnungen, die die eigene künstlerische Praxis mit dem Erzählen für Kinder konfrontiert.
Lab I Claudia Castellucci (Socìetas Raffaello Sanzio, Italien)
Lab II Sarah Michelson und Richard Maxwell (New York City Players, USA)
Lab III S.E. Struck und PeterLicht (Deutschland)
Präsentationen 9. und 10. Juli je 20 Uhr
Spielstätte Probebühnen des Theaters an der Ruhr
Ruhrorter Straße 108 -110, 45478 Mülheim
Veranstaltet vom ITI in Kooperation mit dem Theater an der Ruhr, Mülheim
Programmleitung: Andrea Zagorski
Grenzgänge – Podiumsdiskussion mit den Künstlern der Internationalen Akademie für generationsübergreifendes Sehen des ITI
In der Woche vor dem Symposium Play Young hat das ITI internationale Theaterkünstler zur Akademie für generationsübergreifendes Sehen eingeladen. Der New Yorker Regisseur Richard Maxwell, die italienische Regisseurin Claudia Castellucci (Socìetas Raffaello Sanzio) sowie der Autor PeterLicht, gemeinsam mit der Regisseurin S.E. Struck, arbeiteten bisher vorwiegend für ein „erwachsenes“ Publikum und beschäftigten sich während der Akademie mit verschiedenen Aspekten des Schreibens und Inszenierens für Kinder. Die Podiumsdiskussion mit den Grenzgängern aus dem Erwachsenentheater legt Reibungsflächen offen, die sich aus dem Arbeiten für unterschiedliche Adressaten ergibt. Sie gibt den Anstoß für das Symposium, das sich Impulse aus angrenzenden Genres und Arbeitsfeldern holt und so den Blick auf die eigene Arbeit schärft.
Deutsch-englische Arbeitsgruppe Stoffe
Zumutungen für das Publikum – Auf der Suche nach neuen Stoffen für Kinder
Die Suche nach neuen Stoffen beschäftigt viele Produzenten des Kindertheaters: die Dramaturgen und Regisseure im Theater, die Lektoren in den Theaterverlagen usw. Mit Blick auf die aktuellen Spielpläne der Kindertheater, fallen dabei einige Tendenzen auf: Angeregt durch die besondere Produktionsweise von Freien Theatern, die ihre Stücke selbst entwickeln, setzen auch feste Häuser vermehrt auf Stückentwicklungen. Und seit jeher zeigt das Kindertheater Adaptionen von Kinderbüchern. Was die inhaltliche Konzentration angeht, so zielt das Kindertheater auf gesellschaftlich relevante Themen. Im Vergleich der deutschsprachigen Kindertheaterliteratur mit ausländischen Texten aus dem Genre Kindertheater, aber auch mit Kinderbüchern zeigt sich, dass ausländische Autoren die Kinder bisweilen unbefangener mit drastischen Inhalten konfrontieren. Ausgehend vom Impulsreferat diskutiert die Arbeitsgruppe, welche Stoffe es für das Kinder- und Jugendtheater noch zu erschließen gilt.
Deutsche Arbeitsgruppe Dramaturgie
Dramatisch oder postdramatisch – Dramaturgische Grundfragen in Kinderfilm, -theater und -literatur
Die Frage, ob ein Kind auf Geschichten anspricht, die einer klassischen Dramaturgie folgen, oder eher auf assoziativ erzählte Stoffe, ist immer wieder Gegenstand dramaturgischer Diskussionen. Als postdramatisch bezeichnet der Theaterwissenschaftler Hans-Thies Lehmann ein Theater, das sich nicht mehr vorrangig an das Primat des literarischen Dramentextes hält, sondern eine Ästhetik entwickelt, die den Text in der Aufführungssituation in ein spezielles Verhältnis zum materiellen Bühnengeschehen setzt. Das Panel lässt Dramaturgen, Regisseure und Autoren zu Wort kommen, die dramaturgische Entscheidungen treffen, ihre eigenen Grundbegriffe fassen und infrage stellen. Ausgangspunkt sind die Thesen des Impulsreferats, das dramaturgische Modelle zum Erzählen im Kinderfilm diskutiert.
Deutsch-englische Arbeitsgruppe Ästhetik
An den Grenzen des Erzählens zwischen Film und Theater, Erwachsenen- und Kindertheater
Sehr viel stärker als im deutschsprachigen Raum arbeiten im Kindertheaterbereich im Ausland so genannte Grenzgänger: Theaterregisseure und Regisseurinnen, die sowohl im Kindertheaterbereich als auch im Erwachsenentheater arbeiten. Diese Arbeitsweise setzt eine größere Aufgeschlossenheit voraus, sich in interdisziplinären Feldern zu bewegen. Sie ermöglicht eine größere Vielfalt an Erzählweisen und den Mut zu stärker ausgeprägten ästhetischen Handschriften. Welche spezifischen Erzählweisen braucht das Kindertheater und wann sind Unterscheidungen zwischen den Generationen nicht sinnvoll? Warum fehlen in Deutschland die prägenden Handschriften im Kindertheater, was hat das Ausland der deutschen Szene voraus? Das deutsche Kindertheater hat sich gerade in jüngster Zeit eine Bandbreite neuer künstlerischer Ausdrucksformen und damit jeweils unterschiedliche Erzählweisen erschlossen. Im Tanz, der Performance und im Musiktheater geht es, bei der Frage nach der Wirkung um die Möglichkeit und Unmöglichkeit von Abstraktion und künstlerischer Verknappung. Wo liegen Grenzen und Möglichkeiten unterschiedlicher Erzählweisen? Das Impulsreferat wird Anstöße aus dem Bereich Kinderfilm geben, exemplarische Erzählweisen diskutieren und Rückschlüsse zur Ästhetik im Kindertheater schließen.
Deutsche Arbeitsgruppe Rezeption
Medienkompetenz – Erzählformen für das Kindertheater
Ab welchem Alter stellt sich bei Kindern das Vermögen ein, sich mit einer fiktiven Figur zu identifizieren? Und wie verhält sich ein Kind zum dargestellten Gegenstand? Und ist es wirklich so, wie die wissenschaftliche Wirkungsforschung meint, dass ein Kind erst im Alter von zwölf Jahren, zum Ende der Kindheit, zu ironischer Distanzierung fähig ist? Kinder kommen heute, anders als frühere Generationen, früher in Kontakt mit unterschiedlichen Medien. Eine moderne Kindheit ist radikal anders als Kindheit jemals zuvor. Welche Konsequenzen das hat, diskutiert das Impulsreferat aus dem Bereich der Kinderpsychologie.
Performative „Räume des Wissens“ und Installation von Peggy Mädler
Welche Vorstellungen vom Kind und von Kindheit entstehen im Blick des erwachsenen Menschen, der selbst einmal Kind war? Welche Rolle spielen die eigenen Erfahrungen der Kindheit, gesellschaftliche und juristische Rahmenstrukturen, das Verständnis von Raum und Zeit für die Konstruktion bestimmter Bilder? Über verschiedene Installationen und ein Küchengespräch wird ein performativer Raum kreiert, der möglicherweise Erinnerungen weckt und mit Annahmen spielt – und in dem Wissen als Vorstellung erscheint, die je nach Standpunkt des Betrachters auch anders sein könnte.
Panel: Schule des Sehens – Erzählen in Film, Fernsehen und Literatur
Bernd Sahling (Kinderfilmregisseur), Miriam Gabriela Möllers (Botschafterin für Internationale Kinder- und Jugendliteratur), Isol (Kinderbuchautorin und Illustratorin)
Eine der großen Herausforderungen für Theorie und Praxis des Kindertheaters ist die wirkungsästhetische Reflexion der Theaterarbeit. Im Vergleich zu angrenzenden Kunstsparten, der Bildenden Kunst und der Filmkunst, aber auch dem Fernsehen, ist das Theater in der Frage nach seiner Wirkung noch nicht weit entwickelt. Das Panel vereint Produzenten aus dem Bereich Kinderliteratur, Film und Buchgestaltung und schaltet aktuelle Diskussionen aus den angrenzenden Sparten zusammen. Vor dem Kontext der Überlegungen aus den Arbeitsgruppen des Vortags diskutiert die Runde: Was sind die drängenden Diskussionen bezüglich „Stoffe“, „Dramaturgie“, „Ästhetik“ und „Rezeption“ in angrenzenden Kunstsparten?
Vorstellung Theater an der Ruhr
„Dornröschen“ nach den Gebrüdern Grimm von und mit Maria Neumann
Als Dornröschen fünfzehn Jahre alt wird, geht ein böser Zauberspruch in Erfüllung. Die Prinzessin fällt in einen tiefen Schlaf. Hundert Jahre lang wächst eine Dornenhecke um das Schloss, bis ein Königssohn kommt und die Prinzessin erlöst. Maria Neumann verwandelt sich in sämtliche Märchenfiguren, wobei die poetische Märchensprache erhalten bleibt. Doch die Geschichte nähme kein Ende, wenn die Kinder nicht helfen und mitspielen würden…
